„Wenn du schnell gehen willst, dann geh allein,
wenn du weit gehen willst, dann geh mit anderen.“

Afrikanisches Sprichwort

„Lebende Legende im Ruhestand“ – Ein Dank an Norbert Bergmann für jahrelange Unterstützung der Präventivarbeit

Der Schulalltag kann mitunter etwas stressig sein, für alle Beteiligten. Dabei geht es nicht immer ausschließlich um den wichtigen Unterrichtsstoff, auch Prävention ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil des Schulprogramms.

Seit inzwischen über 10 Jahren führt die Fachstelle für Jugendsozialarbeit des Anna-Stifts an Gocher Schulen ein solches Präventivprojekt mit dem Schwerpunkt „Alkohol“ durch.

Und seit ebenfalls gut 10 Jahren bildete jemand eine unglaublich wertvolle Stütze dieses Projekts. Jemand, der immer 10-15 Minuten vor der abgesprochenen Zeit in der Schule erschien, es sich mit einem Kaffee im Lehrerzimmer gemütlich machte oder einfach im Eingangsbereich mit Schülern plauschte. Einem, dem seine positive Grundeinstellung zum Leben einfach aus allen Poren strömt.

Die Rede ist von Norbert Bergmann, seit über 35 Jahren trockener Alkoholiker.

1984, vier Tage vor Weihnachten, Norbert Bergmann erinnert sich genau, machte es „klick“ im Kopf und bereits einen Tag später fuhr er für sechs Monate in eine Suchtklinik. Seitdem trinkt er keinen Tropfen Alkohol mehr, widmet sich aber der Unterstützung von anderen Süchtigen, hilft im Petrusheim in Weeze, gründete vor 28 Jahren zusammen mit seiner Frau Vera den „Freundeskreis Goch“, eine Selbsthilfegruppe und besuchte regelmäßig Schulklassen, um seine Geschichte zu erzählen.

Und dies tat er immer auf seine ganz eigene Art, immer von Offenheit und Humor geprägt, bereits nach kürzester Zeit hatte er die Schüler in seinen Bann gezogen. Denn seine Erzählungen sind echt, authentisch und mit einer gesunden Portion Selbstironie gewürzt. Doch auch die ernsteren Töne traf er jedes Mal und erzeugte Betroffenheit bei den SchülerInnen.

Einige Kinder wandten sich während oder nach dem Projekt direkt an ihn oder fanden den Weg über das Büro der Schulsozialarbeit und bekamen so Zugang zu den nötigen Hilfsangeboten oder einfach einen guten Zuhörer.

Nun jedoch zieht sich Norbert Bergmann aus gesundheitlichen Gründen aus der Präventivarbeit zurück. Ein Schild mit der Aufschrift „Lebende Legende im Ruhestand“ hängt vor der Wohnungstür von Vera und Norbert Bergmann. Ein Freund habe ihm dieses vor einiger Zeit geschenkt. Offensichtlich jemand, der ihn sehr gut kennt.

Wir, das Team der schulbezogenen Jugendsozialarbeit des Anna-Stifts, möchten Norbert Bergmann für seinen unermüdlichen Einsatz danken. Für seinen Optimismus, seine Ehrlichkeit und Echtheit, seinen Witz und seine klaren Worte, mit denen er seine eigene Lebensgeschichte erzählt hat.

Vielen Dank und alles Gute!

 

Fachstelle für schulbezogene Jugendsozialarbeit